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Digitec Galaxus legt die hauseigene Redaktion mit dem Social-Media-Team zusammen und will Inhalte künftig kanalspezifisch produzieren. Im Zuge dieser Umstrukturierung verlässt der bisherige Redaktionsleiter Aurel Stevens das Unternehmen. Die neu geschaffene Funktion als Head of Content übernimmt Martin Jungfer, der bisher bei Comparis tätig war. Werbewoche.ch hat mit Marketingleiter Martin Walthert über die Neuorganisation der Content-Abteilung und mit Martin Jungfer über seine neue Stelle gesprochen.
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Die zwei Martins in der Küche der Digitec-Galaxus-Marketingabteilung. Links: Martin Walthert, rechts: Martin Jungfer. (Foto: Ann-Kathrin Kübler)


Digitec Galaxus ist bekannt für die hauseigene Redaktion, die gerne auch mal kritisch über die Produkte schreibt, welche die Firma verkauft. Nun hat das Onlinewarenhaus die Redaktion in einer neu geschaffenen Content-Abteilung umstrukturiert. Marketingleiter Martin Walthert erklärt, was nun anders wird: «Wir produzieren viel Content, haben aber noch riesiges Potenzial, ihn auch zu nutzen.» Neu soll die Distribution des Contents einen höheren Stellenwert erhalten. Bisher würden Inhalte vor allem auf der eigenen Website geschaltet, so Walthert. Neu sollen diese vermehrt über externe Kanäle, allen voran die sozialen Medien, verbreitet werden.

Hierfür will das Unternehmen vermehrt kanalspezifische Inhalte produzieren, weil jeder Kanal seine eigenen Regeln habe. «Man kann nicht auf Instagram den gleichen Content ausspielen wie auf Facebook oder unserer Website», sagt Walthert. «Wir wollen mit den richtigen Inhalten die richtigen Kanäle bespielen. In dem Bereich können wir noch vieles besser machen als bisher.»

Der bisherige Redaktionsleiter Aurel Stevens verlässt das Unternehmen im Zuge der Umstrukturierung. Neu hinzu stösst derweil Martin Jungfer, der die neu geschaffene Position des Head of Content bekleidet. Der 42-Jährige führt die vier neu organisierten Content-Teams, die aus je vier bis fünf Mitarbeitenden bestehen. Drei Teams kümmern sich um die Content-Produktion, schreiben Texte und erstellen Videos. Anders als bisher sind diese nicht mehr thematisch nach Digitec und Galaxus aufgeteilt, sondern nach ihrer journalistischen Expertise. Das vierte Team nennt sich Social-Channel-Team und sorgt für die Verbreitung der Inhalte, die nicht auf den eigenen Plattformen stattfindet – allen voran Social Media.

 

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«Es wird sicher keine Revolution losbrechen, nur weil ich da bin»
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Martin Jungfer ist der neue Head of Content bei Digitec Galaxus. (Foto: zVg)

 

Werbewoche.ch: Heute ist Ihr zweiter Arbeitstag als Head of Content bei Digitec Galaxus. Wie sind Sie gestartet?

Martin Jungfer: Alle Erwartungen, die ich hatte, haben sich erfüllt. Das Team ist motiviert. Die Mitarbeitenden wissen, wohin die Reise geht. Ich bin an Bord gekommen, um für den Spirit und die Kreativität die optimalen Rahmenbedingungen zu schaffen. Das ist besonders wichtig, weil Digitec Galaxus so schnell wächst. Ich bin selbst gelernter Journalist und weiss, wie wichtig Freiräume in diesem Beruf sind. In den vergangenen Jahren habe ich mich aber auch viel auf der Business-Seite aufgehalten. Jetzt will ich beides zusammenbringen, um mit meinem Team erfolgreich zu sein.

 

Sie waren vorher erst ein knappes Jahr bei Comparis tätig. Wieso der Wechsel zu Digitec Galaxus?

Ich hatte als Content Innovation Manager eine spannende Stelle bei Comparis. Aber als bei LinkedIn die «Head of Content»-Stelle von Digitec Galaxus auftauchte, war ich neugierig. Ich habe frech einen kurzen Bewerbungsbrief verfasst und das Führungsteam lud mich zu einem Gespräch ein. Für mich war danach schnell klar, dass es passt. Ich sagte zu. Eine Lovestory (lacht).

 

Also Liebe auf den ersten Blick...

Ja. Es ist aussergewöhnlich, dass der Content ein Teil der Mission von Digitec Galaxus ist. Die Redaktion ist selbstständig und vom Verkaufsteam unabhängig. Hier muss nicht jedes Produkt in den höchsten Tönen gelobt werden. Die Redaktion erstellt Inhalte, die kritisch und unbequem sein dürfen, bewusst nicht-kommerziell. Die Kombination aus inspirierenden und informativen Inhalten, dem Sortiment und der Nutzererfahrung macht Digitec Galaxus erfolgreich. Damit stehen wir besser da als einige Medienhäuser, die die Krise derzeit extrem hart trifft. Dort spürt man jetzt die Abhängigkeit von den Werbetreibenden, was sicher auch mit Druck auf die Redaktion verbunden sein könnte, die jetzt noch verbliebenen Werbekunden nicht zu verärgern. Bei Digitec Galaxus spüren wir natürlich auch Druck – aber es ist ein positiver, weil wir wachsen wollen und dürfen.

 

Bisher leitete Aurel Stevens die Redaktion. Was möchten Sie in der neu geschaffenen Stelle des Head of Content anders machen als er?

Ich kann und will nicht beurteilen, wie die Redaktion bisher gearbeitet hat. Ich kann nur für mich und meinen Stil sprechen. Ich sehe meine Aufgabe darin, Teams zu motivieren und für sie optimale Rahmenbedingungen zu schaffen. In meinen fortgeschrittenen Alter (lacht) muss ich niemandem erzählen, ich wüsste selbst am besten Bescheid, wie man einen Podcast macht oder ein E-Gaming-Turnier durchführt. Das wissen die Teams selbst am besten. Ich begreife mich als Coach und Inspirator. Mir ist wichtig, dass alle unsere Mission verstehen und mit Freude dabei sind.

 

Was soll mit der Umstrukturierung des Content-Bereichs besser klappen als vorher?

Ich bin überzeugt, dass man mit gegenseitigem Verständnis am erfolgreichsten ist. Dass verschiedene Abteilungen verschiedene Aufgaben zu erledigen haben, ist logisch. Und manchmal gibt es da vielleicht unterschiedliche Ansichten. Das Category Management hat vielleicht zum Ziel, ein neues Produkt zu pushen. Gleichzeitig findet der Experte in der Redaktion genau das Produkt womöglich nicht so «shiny». Das müssen wir aushalten und wissen, wie man so einen Konflikt löst.

 

Wie denn?

Wie so oft im Leben: indem man miteinander spricht.

 

Soll die Redaktion trotzdem weiter kritisch über solche neuen Produkte berichten?

Ja, klar. Die Werbekampagne mit den ungeschminkten Kundenfeedbacks von Digitec funktioniert ja auch so. Was unsere Community darf, soll auch die Redaktion machen: kritisch und frech sein. Ansonsten entfiele ja die Daseinsberechtigung der Redaktion. Nur PR-Texte der Herstellerseite in ein CMS zu übersetzen – das wäre wenig inspirierend für unsere Kunden.

 

Sie haben die redaktionelle Arbeit von Digitec Galaxus bisher von aussen betrachtet. Was hat Ihnen gefallen und was fanden Sie verbesserungswürdig?

Was mir gefällt, ist die Vielfalt der Themen und auch die persönliche Herangehensweise. Eben nicht alles nur trocken in Notenpunkte zu unterteilen, sondern auch mal zu sagen: «Ich habe das drei Wochen lang probiert, irgendwie funktioniert das für mich nicht.» Das ist authentisch. Aber man kann natürlich immer noch mehr machen. Unsere Community stellt immer wieder Fragen rund um Produkte, die bisher unbeantwortet bleiben. Das kann ein spannendes Feld sein, wo wir uns stärker zeigen könnten.

 

Werden Nutzerinnen und Nutzer in der nächsten Zeit eine Veränderung beim Digitec-Galaxus-Content spüren?

Es wird sicher keine Revolution losbrechen, nur weil ich da bin. Die redaktionelle Arbeit ist bereits sehr gut. Mein Ansatz ist eher, in vielen kleinen Bereichen zu optimieren – von Inhalten bis zu internen Prozessen. Wenn ein Pflänzchen wächst, will ich helfen, es zu giessen und zu düngen. Ich bin aber auch jemand, der sagt, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Als Neuling von aussen kann ich das sicher etwas schmerzfreier tun.

 

Haben Sie ein Beispiel?

Dafür ist es viel zu früh. Das wäre unseriös, schon nach anderthalb Tagen zu sagen, was wir abstellen. Ich finde schon mal gut, dass es verschiedene Formate gibt: einen Podcast, Videoformate... Es wird viel experimentiert. Das soll erhalten bleiben. Aber vielleicht braucht es noch die ein oder andere Leitplanke.


 

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Martin Jungfer ...

...startete nach ein paar Semestern Politikwissenschaft als Lokalredakteur eine Journalistenlaufbahn und rutschte dann in eigenen Worten recht schnell in leitende Funktionen. Dabei trieb der 42-Jährige Digital-Change-Projekte voran, unter anderem fünfeinhalb Jahre bei der NZZ an der Schnittstelle zwischen Marketing, Produkt und Redaktion. Ausserdem studierte er berufsbegleitend Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing und Medien in Berlin. Zuletzt verbesserte Jungfer bei Comparis Strukturen, Tools und Abläufe im Newsroom. Der gebürtige Franke wohnt in Schwerzenbach, ist verheiratet und hat eine fünfjährige Tochter. Um den Kopf frei zu kriegen, geht er um den Greifensee joggen und pflegt Freundschaften – wenn nicht zu Corona-Zeiten gerne beim auswärts Essengehen. Seine Frau sagt über ihn, dass er zu viele Medien konsumiere. Besonders interessieren ihn internationale Politik und das Thema Nachhaltigkeit.

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