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Die Corona-Krise hat die Wirtschaft bis ins Mark erschüttert und gewisse Branchen zeitweise ganz zum Erliegen gebracht. Wie – und ob – es weitergeht, scheint vielerorts ungewiss. Aber hat die Krise auch ihre positiven Effekte? Ist es möglich, nach dem Erdbeben gestärkt in die Zukunft zu gehen? Die Werbewoche hat sich in verschiedenen Branchenzweigen umgehört.
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«Wir stellen ganz neue Qualitäten fest»

Kommerziell sind den Lockdown-Wochen kaum Chancen abzugewinnen. Werbung geht dahin, wo die Zielgruppe ist, und die war nicht draussen unterwegs. Jetzt zieht das Geschäft wieder an. Dank unseren guten Kundenkontakten, die sich jetzt auszahlen, und den kreativen und motivierenden Ideen, die unser Sales-Team an den Tag legt, um Kunden zu überzeugen. Und wir sind dankbar für die verständnisvolle Zusammenarbeit mit unseren Standortpartnern. Tatsächlich positiv ausgewirkt hat sich unsere Fähigkeit, den ganzen Betrieb von null auf hundert zu exibilisieren und trotz widriger Umstände
agil zu halten. Unterschiedlichste Präsenzzeiten, Homeoffice, digitale Meetings, das prägt unseren Arbeitsalltag noch heute. Wir stellen trotz physischer Distanz ganz neue Qualitäten fest – emotionale Nähe, Vertrauen, Zielorientierung, Konzentration auf das Wesentliche und einen unbändigen Willen, diese Situation bestmöglich zu meistern.

Christoph Marty, CEO von Clear Channel Schweiz

 

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«Zur Transformation gezwungen»

Die Einschränkungen der letzten Monate haben im SWA dazu geführt, dass wir mit unseren Mitgliedern noch stärker im digitalen Austausch sind. Ich sehe in dieser Krise somit auch einige Chancen. So werden wir wohl vermehrt aus dem Homeoffice heraus zusammenarbeiten und die digitale Präsenz an Sitzungen, Präsentationen et cetera wird mehr zur Regel als zur Ausnahme. Somit dürften Meetings und Events immer mehr hybrid aufgesetzt werden. Das wäre ein Effizienzgewinn für alle und besonders für Personen, die bisher viel reisen mussten. Natürlich hat das auch Nachteile und der persönliche Austausch wird immer intensiver sein als der virtuelle Ersatz. Deshalb freue ich mich umso mehr darauf, unsere Mitglieder bald wieder persönlich zu treffen!

Roland Ehrler, Direktor des Schweizer Werbe- Auftraggeberverbandes (SWA)

 

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«Wert des Journalismus wurde gestärkt»

In der Bevölkerung wurde das Bewusstsein, was der Journalismus für eine wichtige Rolle einnimmt, gestärkt. Das Vertrauen in die etablierten Medienmarken ist intakt. Die hohe Nachfrage nach News und Einordnung hat den Nachweis erbracht. Für die Medienhäuser hat sich gezeigt, wie wichtig ein guter Mix auf digitalen und analogen Kanälen ist. Online wurde praktisch eine Liveberichterstattung geboten. Die gedruckten Zeitungen haben ihre Möglichkeiten, Hintergründe darzulegen, bestens ausgespielt. Und der Data-Journalismus hat gezeigt, was er mit dem Zusammenzug von Daten und der Aufbereitung von interaktiven Grafiken draufhat. Der Wert des Journalismus wurde damit gestärkt, und mit ihm die Zahlbereitschaft. Die Verlage können darauf aufbauen und damit die Produktgestaltung sowie das Marketing verfeinern.

Andreas Häuptli, Geschäftsführer des Verbandes Schweizer Medien

 

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«Meetings beginnen pünktlich und sind kürzer»

Die Corona-Krise zeigt uns, dass die digitale Transformation weiter an Geschwindigkeit aufnimmt. Wir müssen jetzt alle lernen, noch schneller und agiler mit den entsprechenden Tools zu arbeiten. Dürrenmatt sagte einst: «Das Zukünftige ist immer utopisch.» Nun aber ist Digital die Gegenwart. Das ist unsere Chance: Die Nachfrage nach digitaler Kommunikation und trans-formierten Prozessen ist massiv gestiegen. Dahingehend ist unser neues Zusammen von Publicis und Notch geradezu genial. Wir können unsere Kunden im Sinne von Power of One auf der ganzen Bandbreite der Kommunikation und Transformation begleiten. Überdies wirkt sich die aktuelle Situation auch auf die interne Zusammenarbeit via Homeoffice aus. Meetings beginnen pünktlich und sind effizienter. Kurz und auch frei nach Max Frisch: «Die Zeit verwandelt uns nicht. Sie entfaltet uns.»

Peter van der Touw, Chief Operating Officer bei Publicis Communications Schweiz

 

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«Schlicht eine Katastrophe»

Die Medien schreiben, dass sie relevanter denn je sind (und subventioniert werden müssen). Google lässt durchschimmern, dass ohne Google nichts mehr geht. Facebook will zeigen, dass es nur noch mit Facebook geht. Werbeagenturen schreien, dass der Moment für Werbung noch nie so gut war. Der ADC könnte hier verlauten lassen, dass kreative Kommunikation einen neuen Bedeutungsschub erhält.

«Krise als Chance» ist Rhetorik, meist mit dem Zweck, sich selbst zu beruhigen (und zu täuschen); dafür gibt’s Sonntagsprediger. Die Corona-Krise ist nicht einfach eine Krise (wie die Subprime-Markt-Krise 2008), sondern eines dieser seltenen Black-Swan-Ereignisse, das enorme Auswirkungen auf die Psyche aller und unsere Gesellschaft haben wird. Es liegt gemäss Nassim Taleb in der Natur des Menschen, für ein derart einschneidendes Ereignis einfache Erklärungen zu finden. Aber dafür ist es zu früh, weil wir nämlich noch mitten in der Krise stecken und ein Ende und die Auswirkungen nicht absehbar sind. Schon heute erkennbar ist aber, dass die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen viele Menschen und Unternehmen existenziell treffen werden – das hat nichts mit Chancen zu tun, sondern ist schlicht eine Katastrophe, mit der
wir zu leben lernen müssen.

PS: Wer a) seine Marke in einen verantwortungsvollen gesellschaftlichen Kontext setzt, b) Kommunikation zu einem Dienstleistungs- erlebnis macht und c) vor lauter Daten und KPIs nicht den gesunden Menschenverstand ausschaltet, macht schon mal einiges besser.

Frank Bodin, Präsident des ADC Switzerland

 

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«Act, not Ads»

Menschen wollen nicht einfach Produkte und Dienstleistungen kaufen. Menschen wollen Unternehmen, die ihnen echte Unterstützung anbieten. Was schon vor Covid-19 begann, hat sich während dieses Ausnahmenzustands akzentuiert: Sinnentleertes Werben für Produkte ist vorbei. Marken müssen sich klar sein darüber, wofür sie stehen und welche echten Kundenbedürfnisse sie befriedigen wollen. Und – genauso wichtig – sie müssen diesen Nutzen nicht nur mit Kommunikation verkünden, sondern mit dem Unternehmen als Ganzes. Nur so ist das Versprochene keine unbewiesene Behauptung. Erfolgreiche Marken gehen über das Marketing hinaus.

Für unsere Branche bedeutet dies, nicht nur über den Tellerrand hinauszuschauen, sondern über den Tisch. Es gibt bedeutend mehr Möglichkeiten, Menschen und Marken zu verbinden als die bekannten Werbeformate. Was es dafür braucht, ist Kreativität. Und damit unsere Kernkompetenz. Ich sehe der Zukunft darum positiv entgegen.

Petra Dreyfus, Co-CEO von Wirz Communications und amtierende «Werberin des Jahres»

 

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«Veränderungsprozess beschleunigt»

Die aktuelle Situation hat auch die Kommunikations- und Technologiebranche zu schnellen und ungeplanten Veränderungen veranlasst. In Wirklichkeit ist es doch aber so, dass wir uns ständig weiterentwickeln müssen, wenn wir in unserer Branche erfolgreich und effektiv sein wollen – auf Agentur- genauso wie auf Kundenseite. Wir befinden uns in einem stetigen Veränderungsprozess. Das Phänomen Covid-19 hat diesen Prozess nur beschleunigt.

Den Unternehmen, die sich bereits vor der Krise auf den Transformationsweg gemacht haben, ausgestattet mit einem fundierten Plan und den erforderlichen Fähigkeiten, hat die Krise die Chance geboten, diesen Plan einem Stresstest zu unterziehen und jetzt, wo nötig, den Kurs zu korrigieren. Allen anderen hat sie schonungslos aufgezeigt, welche Folgen es
haben kann, sich nicht rechtzeitig zu
verändern. Für sie heisst es nun: Wenn
 nicht jetzt, wann dann? Nun haben
sie die Möglichkeit, zu analysieren, 
zu lernen und sich anzupassen –
 der Transformationszug rollt, letzte Chance, einzusteigen, denn:
 Auch unfreiwillige Veränderung
 bringt Fortschritt!

Patrik Gamryd, CEO von Dentsu Aegis Network Switzerland

 

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«Künstlich erhaltene Strukturen brechen weg»

Vieles kann selbstverständlich schöngeredet werden. Die Krise wird primär Opfer in Form einer erhöhten Arbeitslosigkeit fordern. Das dürften vor allem jüngere und ältere Jahrgänge zu spüren bekommen.

Viele künstlich erhaltene Strukturen werden ein- und wegbrechen, was per se nicht schlecht sein muss. Dazu sollten wir enorm von der gemachten Erfahrung profitieren können und Meetings in Zukunft online abhalten, den Mitarbeitenden vermehrt die Möglichkeiten von Homeoffice offerieren und Werte im näheren Umfeld wieder mehr schätzen. Damit tun wir Gutes für die Umwelt. Und vielleicht ist die grösste Chance, dass wir wieder lernen, etwas demütiger und dankbarer zu sein. In welchem Lebensbereich auch immer. Aber vorerst halte ich es mit Anita Weyermann: Gring abe u seckle!

Moreno Cavaliere, Delegierter Direktor Corriere del Ticino / MediaTI Markerting

 

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Diese Umfrage ist zuerst in der gedruckten Werbewoche 6/7 2020 erschienen und wurde Ende Mai durchgeführt.

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