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Im Interview mit werbewoche.ch erklären Wirz-Co-CEO Livio Dainese und Webrepublic-Partner Tobias Zehnder, wie es zum Synergie-Projekt ihrer Agenturen kam - und was sie nun vorhaben.
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Livio Dainese (links) und Tobias Zehnder (rechts) erzählen Werbewoche.ch, wie es zu «BoB» kam.

 

Werbewoche.chGlückwunsch zur «virtuellen Grossagentur». Erzählen Sie uns: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Synergie-Projekt «BoB» zu starten? 

Livio Dainese: Merci, gäll! Es gibt verschiedene Wege, die eigenen Kompetenzen zu erweitern. Auch wir standen vor der Entscheidung, eine Agentur zu kaufen oder eine eigene Unit aufzubauen. Beides ist unserer Meinung nach kein idealer Weg. Tobias kannte ich aus diversen Jury-Sitzungen, wo wir merkten, dass wir die gleichen Cases mögen – solche mit Substanz, schlau gedacht und exzellent gemacht. So kam es zuerst zu einem Kaffee am HB und dann zu vielen Kaffees, Tees und Softdrinks. Mit dem Management beider Firmen und dem ganzen Team. Und so kam es schliesslich zu «BoB». Süss, der Kleine - oder? (lacht)

 

Was kann Webrepublic, das Wirz nicht kann - und umgekehrt?

Dainese: Webrepublic ist die unserer Meinung nach beste digitale Marketingagentur der Schweiz. Sie entwickelte und entwickelt sich konstant weiter und ist ebenso konstant eher dort, wo der Ball bald hin gespielt wird als dort, wo er gerade liegt.

Tobias Zehnder: Die kreative Kompetenz von Wirz ist legendär, mit ihren Kampagnen prägen sie die Schweizer Werbebranche seit Jahrzehnten. Diese Erfahrung, die handwerkliche Qualität und das kreative Netzwerk der Agentur sind unerreicht. Neben den Unterschieden ist aber auch wichtig, was uns als Partner eint: Die Überzeugung, dass Kommunikation einen konkreten Mehrwert für unsere Auftraggeber leisten muss. Reichweite und Awards sind toll, aber was wirklich zählt sind Umsatz und Marktanteile.

 

Wie kann man sich die konkrete Zusammenarbeit vorstellen? Werden nur Kunden, die explizit «BoB» buchen, das Kombi-Angebot erhalten - oder wird man künftig in beiden Agenturen proaktiv auch die Dienste des jeweils anderen offerieren?

Zehnder: Es gibt grob drei Dimensionen, wie unsere Kunden profitieren werden. Erstens können wir komplexe Mandate zusammen offerieren und uns im konkreten Projekt so ergänzen. Die ganze Koordination entlang von Kreation und Media können wir so in ihrer Komplexität reduzieren und die Kunden entlasten. Zweitens können wir uns in einzelnen Mandaten nötige Kompetenzen gegenseitig zur Verfügung stellen, ohne grossen Overhead - wie Auswechselspieler, die die neue Mannschaft schon gut kennen. Und drittens bewirkt diese Kooperation, dass die beiden Agenturen und ihre Teams sich einander annähern. Wir bilden Mitarbeiter gegenseitig aus und helfen so, dass alle unsere Disziplinen besser anschlussfähig werden. Auch ohne konkretes Mandat werden unsere Kunden so von diesem Mindset und der gegenseitigen Inspiration profitieren. Wir glauben, dass sich die beste Kommunikation der Zukunft nicht in den aktuellen Silos anspielen wird, sondern in den Räumen dazwischen. Daneben bleiben wir natürlich offen, entsprechend den Bedürfnissen der Kunden auch in anderen Konstellationen weiter sehr konstruktiv zu arbeiten.

 

Publicis arbeitet mit «The Power of One», Farner kauft neue Kompetenzen zu, Serviceplan vereint Sub-Agenturen unter einer Dachmarke. Ist «BoB» einfach auch die logische Konsequenz aus dem strategischen Handeln anderer Schweizer Grossagenturen?

Dainese: Wie eingangs bereits angedeutet, gibt es viele Wege ans Ziel. Wir haben weltweit beobachten können, dass sich das mehr oder weniger freiwillige Eingliedern von anderen Agenturen schwierig gestalten kann. Und dass das Aufbauen von Services, die nicht der Kernkompetenz entsprechen, oft in Units endet, die weder die besten Talente anziehen noch gross genug sind, um ein Momentum zu entwickeln. So kam unser Entscheid, direkt mit den Besten zu arbeiten.

 

Im Artikel der Sonntagszeitung zum Thema heisst es am Ende, eine formelle Fusion von Wirz und Webrepublic sei aktuell kein Thema. Darüber nachgedacht haben Sie aber schon, oder?

Dainese: Selbstverständlich denkt man viele Szenarien durch. Es fühlt sich aber richtig an, genauso wie es jetzt ist.

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